Der Deutsch-LK auf den Spuren unserer Geschichte

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Ausflug am 26.10.2021 nach Köln-Ehrenfeld und ins El-De-Haus

Wir, der Deutsch-LK der Q2, haben am 26.10.2021 einen zum Unterricht passenden Ausflug gemacht, der uns noch lange im Gedächtnis bleiben wird. „Unter der Drachenwand“ von Arno Geiger haben wir im Unterricht gelesen und bearbeitet, in dem es um den zweiten Weltkrieg geht. Dazu hat sich ein Besuch im EL-DE-Haus angeboten, da einem dort viele Einblicke in jene Zeit geboten werden.

Zu Beginn des Tages trafen wir uns an der Haltestelle „Venloer Str./Gürtel“ vor dem McDonalds. Wir wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, die jeweils mit einem Guide eine Führung durch Köln-Ehrenfeld gemacht haben. Dazu gingen wir zu verschiedenen bestimmten Orten und wurden belehrt, was damals an dem jeweiligen Ort geschah.
Beispielsweise hielten wir an einem leerstehenden, kleinen Geschäft, welches zuerst unscheinbar wirkt. Unser Leiter erzählte uns viele Geschichten in Form von Zitaten damaliger Zeitzeugen, die von ihnen vor einigen Jahren interviewt wurden. Er erzählte also an dieser Stelle, dass der kleine Junge Stefan von zu Hause aus bemerkte, dass zwei Straßen weiter laute Geräusche kamen und wollte nachschauen, was dort vor sich ging. Einen chaotischen Laden, dessen Fenster eingeschlagen waren, fand er vor und sah außerdem, wie sich Kinder in seinem Alter daraus einen Spaß machten und mit den Dingen in diesem Laden spielten und das sogar lustig fanden. Stefan selbst stand (wie berichtet) nur daneben und hatte ein schlechtes Gewissen.
Jetzt fragt man sich bestimmt, warum ein Geschäft aus dem Nichts zertrümmert werden sollte. Ganz einfach: Es gehörte einem jüdischen Mann.

Man kann diese Geschichte mit der Reichsprogromnacht in Verbindung bringen, bei der in ganz Deutschland haufenweise jüdische Geschäfte und Gotteshäuser zerstört wurden. Nun leider musste der Mann fliehen, da er für den Schaden selber aufkommen musste.
Man hat den Laden, neben dem man stand, direkt mit anderen Augen angesehen und sich versucht, diese Geschehnisse bildlich auszumalen.
Daraufhin gingen wir zwei Straßen weiter zu Stefans damaligem Zuhause. Jenes Haus gehörte vorher einem jüdischen Mann, der es jedoch gezwungenermaßen verkaufen musste. Dies jedoch zu einem geringerem Wert als es eigentlich wert gewesen war. Mit dem erhaltenen Geld floh er nach Brasilien, wo er nach zwei, drei Jahren an einer Krankheit starb. Seine Nichten und Neffen fragten nach seinem Tod das verkaufte Haus als Erbe an; jedoch ohne Erfolg, da damals alles nach „Rechten“ ging, das Haus verkauft wurde und sie nun keinen Anspruch mehr darauf hatten.

 

Im Anschluss dazu gingen wir zu einem großen, fensterlosen Gebäude, das wie es sich herausstellte, der ehemalige Bunker während des Zweiten Weltkriegs in Ehrenfeld war. Dort trafen sich immer Jugendliche, die meinten, die Teilnahmepflicht der Hitlerjugend zu „schwänzen“.
Aber jene, deren Väter nicht an der Front eingesetzt waren, wurden gezwungen zur Hitlerjugend zu gehen, da ihre Väter anderenfalls ihre Arbeit verloren hätten. Die „noblen“ Kinder, deren Väter eben doch an der Front eingesetzt waren, dachten sich nichts dabei, da sie sowieso nichts zu verlieren hatten und mieden weiterhin die Hitlerjugend.
Da sie sich oft, wenn nicht sogar täglich an diesem Bunker trafen, gingen sie der Nachbarschaft, die unmittelbar neben dem Bunker hausten, das ein oder andere Mal auf die Nerven. Sie schmissen wohl unter anderem auch Feten an diesem Ort.

Auf dem Weg zum Bahnhof hielten wir an einem Spielplatztor, vor dem ein normaler Bordstein durch einen goldenen Stolperstein ersetzt wurde. Dieser und andere Stolpersteine, die sich überall verteilt befinden, sind denen gewidmet, die an dieser Stelle deportiert wurden. Dort waren sie dann das letzte Mal in Freiheit. Auf einem Stolperstein steht der Name, der Geburtstag, wann und wo sie deportiert wurden und wann und wo sie umgebracht wurden.

Bartholomäus Schink war ein Widerstandskämpfer, der unter anderem Juden und Zwangsarbeiter versteckte. Er und die „Ehrenfelder-Gruppe“ versteckten sich in einer damaligen Ruine am Bahnhof. Als man sie aufspürte, erhängte man sie am Eingang vom Bahnhof und alle dort lebenden Menschen wurden widerwillig aus ihren Häusern gezerrt und mussten sich dies anschauen.
Bartholomäus Schink wurde mit 16 Jahren ermordet; jene Straße wurde nach ihm benannt (Bartholomäus-Schink-Straße, 50825 Köln) und dort hängt bis heute noch eine Gedenktafel, u. Ä. an jene Opfer.

Von dort aus fuhren wir mit der Bahn zum EL-DE-Haus selber, bei dem wir jedoch aufgrund von Zeitmangel direkt in den Keller gingen, anstatt uns ebenfalls oben umzusehen. Unten angekommen konnte man gleich den optischen Unterschied zum Eingangsbereich feststellen, da unten alles - so gut wie es ging- in all den Jahren nicht verändert, geschweige denn erneuert wurde.
Bevor wir herumgeführt wurden, bekamen wir eine kurze Ansprache von unserem Guide, der uns erklärte, dass dieses ganze Gebäude die damalige Gestapo war und hier im Keller wirklich Juden gefangen gehalten wurden. Es sind also keine Nachahmungen, sondern die Originale.
Zuerst wurden uns drei längliche Zellen gezeigt, die aber in der Schwelle mit einer großen Glasscheibe versehen waren, damit keiner hineintreten konnte. Dies liegt daran, dass die Wände in den Zellen immer noch mit originalen Inschriften der damaligen Gefangenen verziert sind. Gezählte Tage, Zeichnungen und etliche Texte in verschiedenen Sprachen (möglicherweise Abschiedstexte oder letzte Worte) schmücken die Innenwände der Zellen heute noch. Sie zeigen teilweise den Schmerz und den Kummer der Gefangenen - auch noch nach so vielen Jahren. Es wurden bis zu 20 Menschen in einer Zelle gehalten, in die eigentlich nur zwei Betten gepasst hätten. Die Gefangenen hatten keine Möglichkeit sich zu waschen oder auf Toilette zu gehen. Ihnen wurde ein Eimer für alle in die Zelle gestellt, den sie dafür benutzen konnten; jedoch wurde dieser tagelang, wenn nicht sogar wochenlang nicht ausgeleert.
Neben diesen drei Zellen war ein weiterer Raum, in den man sogar eintreten durfte.

Beim Überqueren der Schwelle bekam ich ein ganz mulmiges Gefühl und eine Gänsehaut, und als der Guide uns verriet, was in diesem Raum geschah, wusste ich auch warum. Dort wurden die Gefangenen verhört und gefoltert. Im Anschluss zu diesem Raum war noch ein weiterer, ganz enger Raum mit einer sehr schmalen Tür, die „Dunkelzelle“ genannt wurde.


Danach gingen wir weitere Treppen nach unten, wo mehrere Luftschutztüren zu sehen waren. Ich habe mich gar nicht erst getraut durch das Guckloch in den Türen zu gucken, da ich mir schon denken konnte, was sich dahinter befindet und ich nicht wollte, dass sich meine Vermutung bestätigt. Wir hatten nicht mehr viel Zeit, also gingen wir wieder in den oberen Keller und nach draußen in einen kleinen, dachlosen Hof, dessen Wände vollkommen mit Spiegeln versehen waren. An dieser Stelle wurden die Gefangenen erhängt und die Menschen, die in den Häusern gegenüber wohnten, hatten von ihrem Fenster aus den perfekten Blick dorthin.

Wir entschieden uns dazu, nochmal zurückzugehen und uns noch einmal alles anzuschauen.
Und auch beim zweiten Mal machte es keinen geringeren Eindruck als beim ersten Mal.
Relativ schnell haben wir das Gebäude über den mit Spiegeln umgebenen Hof durch eine Tür in einem Garagentor verlassen und bei mir persönlich hat sich in diesem Moment eine große Anspannung gelegt.

Es war eine große Erfahrung dort gewesen zu sein, was meiner Meinung nach jeder gesehen haben sollte, obwohl es einen ziemlich runtermacht und mental angreift.

Sich durch Filme oder Bilder ein optisches Bild von dieser Zeit zu machen reicht nicht aus, um es auch nur ansatzweise nachzuvollziehen. Es persönlich, mit eigenen Augen gesehen zu haben und zu wissen, dass diese schrecklichen Dinge dort geschehen sind, wo man gerade steht, hat nochmal eine komplett andere, viel authentischere Wirkung auf jeden Einzelnen. Ich konnte die Gefühle der Menschen immer noch spüren - und das nach all diesen Jahren...

Jasmin Trösser, Deutsch-LK der Q2

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